30. Juni 202218:00 UhrFührung
Treffpunkt: Atelierhaus C21
Maria-Lassnig-Straße 33
A-1100 Wien
Unsere Stadtwahrnehmung speist sich in der Regel aus unseren Bewegungen und Begegnungen auf Augenhöhe des Erdgeschosses. Sie wird geformt von den Straßen- und Platzräumen, von Volumen und Fassaden, vom „Gehsteigballett“ (Jane Jacobs). Doch die Augenhöhe ist nicht die einzige Blickebene, die Stadt-Bilder prägen. Die Silhouette und das Häusermeer sind ikonische Narrative, die wir instinktiv mit bestimmten Städten verbinden, Vermeers Stadtmauern von Delft, die Hochhäuser von Manhattan und Hongkong, das Zusammenspiel von Architekturen und Topografien, die betonten Blickachsen und die Sichtbeziehungen zwischen alten und neuen Sehenswürdigkeiten. Hier oben – den Blick in die Weite gerichtet – lassen sich die Veränderungen der Stadtsubstanz kartieren.

In Wien lassen sich das Stadtwachstum, die Bodenpreise und die Infrastrukturen aus der Oberkante der Stadtsubstanz ablesen, ebenso wie der Verhandlungsspielraum, den ein Hochhauskonzept ohne klare Restriktionen ermöglicht. Entlang der U-Bahn-Linien, insbesondere im Norden und Osten, werden die „Landmarks“ (so der beliebte Begriff in der Investoren-Sprache) zu einer Landmarkisierung, die eher einer willkürlichen Streuung gleicht: Donaumarina, Vienna Twentytwo, Citygate. In der historischen Stadt, der Gründerzeitstadt und den Vorstädten wiederum verändern die Dachausbauten die Dachlandschaft massiv, die Nachverdichtung zeigt sich in angehobenen Trauflinien, mit abrupt aufragenden Feuermauern als Bruchkanten.

Wir untersuchen von zwei nicht-kanonisierten Wiener Blickpunkten aus die Stadt-Silhouetten von heute. Die Topografie der Traufkanten und die Veduten der Rendite, die dank eines äußerst lockeren Hochhauskonzeptes das Wachstum in der Vertikalen begünstigen, die Investoren-Sehnsucht nach Towern und „Landmarks“. Vom Sonnwendviertel auf dem Plateau im Süden und von der Donauebene im Osten versuchen wir in zwei „Skylinekritiken“, die Stadt von oben zu lesen und zu diskutieren.

Die Skylinekritik II geht unter dem Titel „Alte und neue Blickziele“ der Frage nach, welche Perspektiven auf Stadt neue Quartiere wie das Sonnwendviertel etablieren und welche Stadtvorstellung neue Nachbarschaften wie diese in „Aussicht“ stellen. Beschönigt der weite Blick über Bahntrassen und Autobahnauffahrten auf die periphere Versorgungsseite der Stadt (Erdberger Mais, Simmering) die Defizite der „autogerechten“ Stadt? Wird das Disparate je zusammenwachsen? Welche Schlüsse lassen sich aus einer Silhouette im Wandel ableiten? Alles „verbaute Luft“, aber kein Stadtbild?
Gäste Skylinekritik II: Barbara Feller, Erich Bernard, Liz Zimmermann
Kuratierung und Moderation: Gabriele Kaiser und Maik Novotny / ÖGFA

Zur Anmeldung siehe Link.
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