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Project Vienna – A Design Strategy.
How to React to a City?
Die Siegerprojekte des Ideenwettbewerbs „Project Vienna – A Design Strategy“
Eröffnung: 29. Juni 2010, 20:00 Uhr
Zum ersten Mal fand 2010 der Ideenwettbewerb „Project Vienna – A Design Strategy. How to React to a City?“, initiiert von MAK und departure, der Kreativagentur der Stadt Wien, statt, der im Rahmen des gemeinsamen MAKdeparture-Programms „design> neue strategien“ durchgeführt wurde. Aus insgesamt 101 Einreichungen aus 20 Ländern wurden am 22. April 2010 von einer Fachjury die besten 20 Projekte ausgewählt und daraus die drei Siegerprojekte bestimmt. Wesentlich für die Entscheidung war der modellhafte und konzeptuelle Ansatz der Projekte, die über das Objekt hinaus hohes Entwicklungspotential aufwiesen. Auf humorvoll-kritische Weise wurden ungewöhnliche Blickpunkte auf die Stadt und ihre Bewohner eröffnet. Die Einreichungen der ausgezeichneten Architekten Klaus Stattmann, sowie Gregor Hoffelner und Sebastian Schmid und der Designerinnen Marei Wollersberger und Jessica Charlesworth stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, die am Dienstag, 29. Juni 2010, im MAK DESIGN SPACE eröffnet wird.
Klaus Stattmann (Büro für Architektur und Forschung) präsentiert „A.R.S.A #01 Architecture Saves Austria“: Auf einer wandfüllenden Comic-Collage wird die Funktionstüchtigkeit der entwickelten „Sichtprothese“ für die Pallas Athene vor dem Parlament narrativ dargestellt. Als Statement zur politischen Kultur Österreichs wie auch zur historischen und historisierenden Architektur der Stadt Wien schlägt das Projekt einen Eingriff in die Ringstraßenarchitektur vor. Dabei wird das Parlament als Genius Loci und neuralgischer Punkt für eine mögliche Verbesserung der sich mehrenden gesellschaftspolitischen Missstände identifiziert. Als Ursache für die aus dem Ruder laufenden politischen Ereignisse wird der Blick der vor dem Bau posierenden Göttin der Weisheit Pallas Athene diagnostiziert: Dieser ist zwar den PassantInnen und der Ringstraße zugewandt, dreht aber dem Parlament selbst den Rücken zu. Mit Hilfe einer Blickprothese und eines integrierten ausfahrbaren Rückspiegels Project Vienna – A Design Strategy. How to React to a City? soll sie nun ihre eigentliche Aufsichtsfunktion – insbesondere angesichts jüngerer Skandale – erstmals richtig wahrnehmen können.
Die Architekten Gregor Hoffelner (VERY Architects) und Sebastian Schmid (ex.it-architektur) sind mit ihrem Siegerprojekt „UPgrading VIENNA“ vertreten. Sie zeigen in einer modellhaften Utopie, wie die Stadt wahrzunehmen wäre, wenn denkmalgeschützte Wiener Wahrzeichen auf der Höhe des Kahlenbergs thronen würden. Historische Sichtachsen dürfen in Wien traditionell nicht von moderner Architektur unterbrochen werden. Das wird in dieser Vision auch weiterhin so bleiben – nur darf jetzt die Stadt andernorts nach Lust und Laune wachsen, wuchern, sich entwickeln, sich modernisieren. Es wird Platz geschaffen für eigenständiges Design und pulsierende Architektur. Die Sockelarchitekturen für die historischen Bauten sollen dabei den Notwendigkeiten dieser zukünftigen Stadt entsprechen. Mit dem Entschluss, die wesentlichen Bauwerke vergangener Epochen auf die Höhe des Kahlenbergs zu bringen, könnte nun Wien in Zukunft die strengen Auflagen des Weltkulturerbes umgehen und gleichzeitig seine avantgardistische Rolle im globalen Europa festigen.
Die Designerinnen Marei Wollersberger und Jessica Charlesworth wurden für ihr Projekt „Citizen Evolution“ ausgezeichnet. Zu sehen sind die humorvollen, hypothetischen Szenarien „Microbe Sky“, „Pigeonpoo Roofgarden“, „Zentralfriedhof Power Plant“ und „Pharmaceutical Distribution Network“ als schematische Lehrtafeln. Jedes Schaubild wird durch ein „erzählendes“ Objekt (z.B. ein selbstgebautes Werkzeug) ergänzt, das im Kontext des Szenarios Verwendung findet. Die beiden Designerinnen gingen von dem Fall aus, dass die zentralen Versorgungssysteme, auf die wir uns derzeit verlassen, nicht mehr funktionieren – in Zeiten weltweiter Krisen durchaus vorstellbar. Für diesen Fall sollen die Wiener nun staatlicherseits mit allen Mitteln zur Selbstversorgung ausgestattet werden, vor allem mit Open- Source-Biotechnologie. Sie werden damit etwa in die Lage versetzt, durch eine mikrobielle Infusion der Wolken das Klima der Stadt zu manipulieren und zu regulieren, ebenso soll mit Taubenkot-Kulturen auf dem Dach sowie den organischen Überresten der Toten auf dem Zentralfriedhof der Energiebedarf gesichert werden. Die Badeanlage „Gänsehäufel“ wiederum wird zum Lebensraum für gentechnisch manipulierte Schweine, die den Wienern als lebende Antikörper-Reservoirs dienen und die Gesundheitsversorgung sichern – die nötigen Impfungen werden laufend von Stechmücken besorgt. Gezeichnet wird ein Szenario, das Wiener Morbidität, Ansätze der Life Sciences und reale globale Befindlichkeit miteinander verbindet.
Neben den drei prämierten Projekten werden auf der Wandfläche des Stiegenhauses in einer Collage die Einreichungen des Ideenwettbewerbs als Ideenpool präsentiert, die den Besuchern als Inspiration zur Selbstgestaltung der Stadt dienen sollen.
Zur Ausstellung erscheint der spezielle Wien-Plan „Project Vienna. How to React to a City“, herausgegeben von Peter Noever und Christoph Thun- Hohenstein, mit den drei Siegerprojekten und den 17 besten Einreichungen sowie Textbeiträgen von Andrea Branzi, Sam Jacob und Elisabeth Samsonow.
Zu den Gewinnern des Ideenwettbewerbs:
Klaus Stattmann, geboren 1963 in Villach, Kärnten, gründete 1993 nach Abschluss seines Studiums an der Universität für angewandte Kunst Wien das Büro für Architektur und Forschung. Arbeiten u.a. über Architektur und Performativität führten zu Gastvorträgen und Ausstellungsbeteiligungen, zuletzt am österreichischen Beitrag zur Architekturbiennale 2010 in Venedig. Er co-kuratierte die Ausstellung „Reserve der Form“ im Künstlerhaus Wien (2004). Zu seinen wichtigsten realisierten Projekten zählt das Projekt „Fluc & Fluc_Wanne“ am Praterstern in Wien (2006).
Gregor Hoffelner, geboren 1976 in Wien, absolvierte ein Architekturstudium an der Technischen Universität Wien. Mehrere Jahre Berufspraxis im Bereich Architektur, Interior Design und Branding im Inund Ausland, z.B. bei Oppenheim Architecture+Design in Miami, Florida, führten 2010 zur Gründung von VERY ARCHITECTS. Von vielen Reisen beeinflusst, arbeitet er an kosmopolitischen Projekten in Bereichen wie Tourismus und Shopping, aber auch für Wohn- und Arbeitssituationen.
Sebastian Schmid, geboren 1976 in Wien, absolvierte ein Architekturstudium an der Technischen Universität Wien. Bereits 2000 gründete er ex.itarchitektur und arbeitete in Folge freiberuflich für mehrere Architekturbüros, u.a. für das Atelier Albert Wimmer. 2006 erhält er den Österreichischen Baupreis. In seinen Projekten sucht er nach unkonventionellen Lösungen. Ziel ist es, herkömmliche Arbeitsweisen und Strukturen neu zu überdenken.
Marei Wollersberger, geboren 1980 in Rum, Tirol, absolvierte das Fach Design Interactions am London Royal College of Art; davor studierte sie Industrial Design in Graz und Paris. Sie arbeitet als Designerin, Künstlerin und Strategin mit dem Ziel, multiple Zukunftsperspektiven und deren Implikationen sichtbar zu machen. Dabei bewegt sie sich im weiten Raum zwischen Design, Technik und Naturwissenschaft, Gesellschaft und Kultur. Oft bedient sie sich der Spekulation, Narration und Provokation, um einen frischen und manchmal verstörenden Blick auf das zu eröffnen, was die Gesellschaft sein könnte.
Jessica Charlesworth, geboren 1979 in Chichester, England, absolvierte das Fach Design Interactions am London Royal College of Art. Sie arbeitet als Designerin, Künstlerin und Forscherin. Berufserfahrung hat sie bei Organisationen sowohl im öffentlichen wie im privaten Bereich gesammelt, zu deren zukünftiger Positionierung sie geforscht hat. Ihr geht es darum, Wege zu erkunden, wie sich mit Hilfe von Design die Interaktion von Menschen, Technik, Produkten und Dienstleistungen besser verstehen, entwirren und bewirken lässt.
Zu departure
departure, die Kreativagentur der Stadt Wien und Tochterunternehmen der Wirtschaftsagentur Wien, fördert UnternehmerInnen und Unternehmensgründer der Creative Industries aus den Bereichen Design, Mode, Kunstmarkt, Architektur, Musik, Audiovision, Multimedia und Verlagswesen, die im urbanen Gefüge etwas bewegen wollen. departure wurde im Herbst 2003 als Österreichs erste eigenständige Wirtschaftsförderungs- und Servicestelle gegründet. www.departure.at Alle Presseinformationen stehen unter www.MAK.at/presse zum Download bereit.
Katalog
Zur Ausstellung erscheint die Publikation „Project Vienna. How to React to a City“?“, herausgegeben von Peter Noever und Christoph Thun-Hohenstein, mit Textbeiträgen von Andrea Branzi, Sam Jacob, Elisabeth Samsonow, 256 Seiten, zahlreiche Abbildungen, deutsch/englisch, MAK/freytag & berndt, Wien 2010, € 18,95, erhältlich im MAK Design Shop
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